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Krim-Reise vom 14. – 21. Mai 2011
 

In Kerch wurden wir ebenso herzlich von unseren Freunden begrüßt (stellvertretend für die vielen anderen gleichsam liebgewonnen Freunde und ehemaligen Crewmitglieder seien genannt: Andre, Sergej, Pavel Frolov alias Pascha und seine Frau Olga, Vitaly, der Doc mit seiner Frau und so weiter) und wir konnten wiederum Erinnerungen wach werden lassen und Zukunftspläne schmieden.

Von den Hotelzimmern hatten wir einen Blick auf unsere geliebte „Lady“, die in einem Becken des Industriehafens von Kerch nach wie vor an der Kette liegt. Auch aus der Ferne bietet sie einen bedauernswerten und für uns schmerzlichen Anblick. Dieses ehemals stolze Schiff vor sich hin gammeln zu sehen, einst eine Botschafterin der Ukraine in weiten Teilen der Welt und auf den Weltmeeren, ist fast unerträglich und treibt Tränen in die Augen.

Am Sonntag entführten uns unsere Freunde zu einer Besichtigungstour historischer Stätten um und in Kerch. Die Ausgrabungsstätte der griechischen Siedlungen Tyritaka (2.500 v. Chr.), in der damals bereits schon eine „industrielle“ Heringsverarbeitung stattfand, zeugt von einer lukrativen Fischereitätigkeit und einem hohen Kulturstand dieser Zeitepoche.     Danach besichtigten wir den „Hausberg von Kerch“, mit den Resten der ehemals stolzen Burganlage des griechischen Königs Mithridates (2000 v. Chr.). Unter sachkundiger Führung durch unsere ukrainischen Freunde wurden uns diese Kulturschätze gezeigt. Am Nachmittag fand am Ufer des Schwarzen Meer mit einer Grillparty diese schöne Tour ihren Abschluss.
Der Sonntagabend war einem gemeinsamen Essen nach Art typisch ukrainischer Küche und dem obligatorischen VODKA gewidmet und wurde somit zu einem weiteren Highlight  in Kerch. Wir hatten einen wunderschönen Tag im Kreis unserer Freunde verbringen können, mit vielen guten Gesprächen und auch schönen Träumen, die vielleicht Wirklichkeit werden.

Der Montag stand zur freien Verfügung und der Dienstag war bereits ein Tag des ersten Abschieds, der wiederum sehr herzlich und nicht ohne unser Versprechen wiederzukommen, ausfiel. „Wir kommen auch gerne wieder, denn Eure Gastfreundschaft ist unübertroffen und ehrlich, danke Freunde.“

Ein Bus brachte uns nach Jalta. Die Fahrt ging durch das Küstengebirge mit herrlichen Ausblicken auf die Landschaft und die Schwarzmeerküste mit ihren vielen Kleinoden architektonischer Kunst. Der Eindruck insgesamt ist überwältigend.

Jalta, eine Perle der Krim, ein historischer Ort, ein Ort der Sieger und Besiegten mehrerer Kriege. Der Bauboom durch reiche und superreiche Ukrainer und Russen ist überall gegenwärtig und trägt in vielen Fällen leider nicht zur Verschönerung und Erhalt dieser wunderschönen Küstenlandschaft bei.

Wir waren in einem 5-Sterne Hotel untergebracht, das unsere Erwartungen zur vollen Zufriedenheit erfüllte. Alles bestens organisiert. Am Abend stand ein Stadt- und Yachthafenbummel auf dem Programm. Bei herrlichem Wetter, einem guten Bier oder Glas Wein von der Krim ließ es sich aushalten. Urlaub ist eben die schönste Jahreszeit.

Der nächste Tag war ein organisierter Ausflugs- und Besichtigungstag unter sehr versierter Führung durch eine charmante Reiseleiterin.
Der Bus brachte uns zunächst nach Alupka, wo der Palast des Grafen Woronzow, erbaut 1828-1851, besichtigt wurde. Der Palast zeichnet sich durch seine äußerst originelle architektonische Gestaltung aus. Die Fassaden sind in unterschiedlichen Kulturstilen erbaut. Die nördliche entspricht dem Stil der englischen Gotik, die südliche zeigt Elemente der indischen Architektur und die westliche Seite ist einer europäischen mittelalterlichen Burg nachempfunden. 
Von Alupka fuhren wir mit dem Schiff zurück nach Jalta. Die Schwarzmeerküste von der Seeseite zu sehen ist auch ein besonderes Erlebnis. Nicht nur das berühmte Schwalbennest lässt die Verschlüsse der Kameras klicken, die gesamte Küste ist es Wert fotografisch für die „Ewigkeit“ festgehalten zu werden.
Das Schwalbennest, ein architektonisches Denkmal, klebt förmlich auf und an dem steilen, wie eine Nadel wirkenden Aurora-Felsen, ein Felsvorsprung am Kap Aj-Todor. Dieses Miniaturschloß wurde 1912 für einen Bakuer Ölmagnaten im Stil einer Ritterburg und mit Zügen von Schloß Neu-Schwanstein errichtet. Es ist ein Wahrzeichen an der Südküste und diente auch vielen Filmen als Kulisse. Leider war eine Besichtigung nicht möglich, da zu dieser Zeit umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt wurden.

Wir hatten nun die Mitte unseres einwöchigen Krimbesuchs erreicht, Bergfest! und am nächsten Tag fuhren wir unserem letzten Ziel Sewastopol entgegen.
Von Jalta führte unsere Route zunächst nach Liwadija und dann durch das Küstengebirge auf das Hochplateau der Krim und durch das weltbekannte Weinanbaugebiet INKERMAN nach Balaklawa.

In Liwadija, unsere erste Station dieses Reisetages, befindet sich die Sommerresidenz des letzten Zaren Nikolaus II., ein prunkvoller Herrschersitz im Stil der italienischen Renaissance erbaut. Hier wurde 1945 das Schicksal des Nachkriegs-Europa durch die Siegermächte bestimmt. Im „Weiße Saal“ entschieden darüber der englische Premier Curchill, der Präsident der USA Roosevelt und Stalin, der Regierungschef der UdSSR. Die Besichtigung des Palastes mit der weitläufigen Parkanlage vermittelte einen sehr guten Einblick in die Geschichte Russlands und zeigt auch den Prunk der Zarenzeit.

Zur Mittagszeit erreichten wir Balaklawa, wo in einem Restaurant direkt am Hafen der Mittagstisch für uns bereit stand. Balaklawa ist ein kleines Städtchen am Ufer einer Bucht, die sich, ähnliche eines Fjords, zwischen den schützenden Küstenbergen versteckt.
Diese Bucht wird schon vom Griechen Homer erwähnt, später war es eine römische Befestigungsanlage. Im 14. Jahrhundert ließen sich hier Genuesen nieder und errichteten die Festung Cimbalo, von der noch die Ruinen der Türme zeugen, die wie Finger in den Himmel zeigen. In 1475 wurde die Bucht von den Türken eingenommen und Balyk-Juwe (Nest der Fische) genannt.
Während des Krimkrieges (1853-1856) diente sie als Stützpunkt der englischen Armee, von hier aus wurde hauptsächlich die englische Marine mit allem Nötigen versorgt.
Zu Sowjetzeiten war die Bucht für das normale Volk und Besucher tabu. In das der Küste vorgelagerten Felsmassiv wurde ein gigantischer U-Boothafen mit Verbindung zum Schwarzen Meer eingebaut. In dem mehr als 500 m langen Durchfahrtstunnel entstand ein

Geheimbetrieb für die U-Bootreparatur, ein Wunderwerk der Kernwaffenschutz- Befestigungsanlagen des kalten Krieges. 
Gerne hätten wir auch diesen Teil der Geschichte von Balaklawa besichtigt, aber der Zeitplan  ließ es nicht zu.
Heute ist die Stadt und die Bucht für jeden zugänglich und ein beliebter Urlaubs- und Ausflugsort mit einem großen Yachthafen, in dem man Yachten der Superlative sehen und bestaunen kann. Die wenigen hier liegenden Schiffe der Marine verschwinden fast gänzlich hinter dieser Kulisse.

Weiter ging unsere Fahrt durch das malerische Hochplateau mit den Weingärten der Inkerman-Weine nach Sewastopol. Das Hotel „Ukraine“ war für die nächsten beiden Tage unser Domizil. Das auch als 5-Sterne Hotel deklarierte Haus ist aber meilenweit von dem Niveau des Hotels in Jalta entfernt. Was soll´s, man musste es hinnehmen und hat es getan. (Mein Tipp: sollte jemand auf die Idee kommen, einmal dort einzuchecken, dann bitte das Frühstück gesondert buchen oder bestellen. Das im Übernachtungspreis „mitgelieferte“ Frühstück entspricht einer Abmagerungskur und besteht aus einer vorgefertigten Stulle mit Käse oder Wurst, aber nur eine Sorte und in hauchdünnen Scheiben, so wie einer Tasse Kaffe oder Tee)

Sewastopol wurde 1783 als Stützpunkt für die russische Schwarzmeerflotte gegründet, wurde während des Krimkrieges und des 2. Weltkrieges durch zahlreiche Angriffe stark beschädigt. Sie ist heute noch Garnisonsstadt und im Hafen liegen sowohl ein Teile der russischen wie auch der ukrainischen Flotte. Die Stadt bietet viele historische Sehenswürdigkeiten und ist immer auch eine Reise wert. Wir haben sie im Rahmen unseres Zeitmaßes individuell erkunden können. Eine schöne Stadt, aber nach meinem Geschmack kein Vergleich mit den Städten und Orten davor. 

In Sewastopol konnten wir endlich unseren Kaptain Mikhail Sukina begrüßen. Das die Begrüßung in seiner Heimatstadt an Herzlichkeit nicht zu überbieten war, ist selbstredend.
Wir organisierten wieder einen gemeinsamen Abend an dem der Kapitän, der Segelmacher Stass und der Zahlmeister Victor teilnahmen. Wir hatten viel zu erzählen und Kapitän Sukina gab einige Anekdoten aus der Fahrenszeit unserer Lady, die Khersones, zum Besten. So manch einer hat ausgesprochen was alle gedacht haben: „Ach, könnte man doch die Zeit zurückdrehen oder diese Zeit wiederkehren lassen“.
Das Essen war gut und reichlich und es strömte, warum sollte es auch anders sein, der Vodka, das Wässerchen der Wahrheit. Der Abschied war, wie auch bereits die anderen zuvor, wieder mal schmerzlich und auch hier mussten wir in die Hand versprechen wiederzukommen. Das wird sicherlich auch in absehbarer Zeit so sein!

Zur Abfahrt am nächsten Morgen nach Simferopol wurden wir vom Kapitän nochmals verabschiedet und mit guten Wünschen für die Zukunft bedacht. Die Stimmung im Bus war nicht so frei und fröhlich, als an den Tagen zuvor, stand uns doch der Abschied von der Krim und unseren Freunden vor Augen. Umso überraschter waren wir, als uns wieder Nina und Galina am Flughafen erwarteten. Dann tauchte auch noch Olek auf, der ehemalige Dekan der Universität Kerch der auch wegen „unloyalen Verhaltens“ gegenüber der ukrainischen Obrigkeit aus dem Dienst entlassen wurde. War das eine Freude, die drei hatten sich für uns frei genommen, ihre Arbeit nach hinten geschoben (Olek hatte nur eine ¼ Stunde Zeit, dann musste er zu einen Termin) und eine lange Anfahrt in Kauf genommen, nur um uns einen herzlichen Abschied zu bescheren.
Hier müssen wir uns die Frage gefallen lassen: „Würden auch wir so etwas tun, wenn eine / einer unserer ukrainischen Freundes irgendwo in Deutschland Station macht?“ Lassen wir uns überraschen, vielleicht kommt mal diese Situation.

Den Abschied von der Krim haben wir dann im Flughafen-Bistro mit Krim-Sekt begossen. Nina zeigte uns, dass sie noch nichts von ihrer Trainee-Betreuung in Ninas Bar  verlernt hat, auch wenn die Trinkgefässe aus Pappbecher bestanden und nicht gerade dem Stil angepasst waren.

Eine kurze, aber wieder mal sehr schöne Zeit auf der Krim, bei unseren Freunden, ging zu Ende. Wir waren eine harmonische Gruppe und hatten viel Freude.
An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Margret Gläß, die wieder mal mit ganzem Herzen und mit großem Sachverstand diese wunderschöne Reise von A bis Z organisiert hat.
Nochmals DANKE Margret und ich bin mir sicher im Namen aller mit dabei gewesenen zu sprechen.

Manfred Kleinloh